Augenhöhe*

Termin:
Do., 22.4.2021, 18.30 h bis Di., 27.4.2021, 14.00 h
( frei )
Kursgebühr:
Kursnummer:
210455
Leitung:
Teilen:

N. N. und N. N.: TaKeTiNa    

Wenn die Therapeutin nicht bereit ist, ihr Selbst authentisch in die Beziehung einzubringen, wird die Patientin vielleicht analysiert, doch letztlich nicht gefunden worden sein.
                                                                                    Martha Stark: Modes of Therapeutic Action
 

Psychodynamische Psychotherapie dient nicht nur der Einsicht in die strukturellen innerpsychischen Konflikte dank der Deutung der sexuellen und aggressiven Impulse des Patienten durch den Analytiker alter Schule und auch nicht allein dem Ausgleich struktureller Defizite durch Versorgung des Patienten mit guten Selbst- und Objekt-Beziehungserfahrungen. Bei beiden Verfahren macht der Therapeut bei Vermeidung persönlicher Begegnung etwas mit dem Objekt Patient und gestaltet so mit ihm – im Sinne Martin Bubers – eine Ich-Es-Beziehung. 

Sandor Ferenczis Plädoyer für ein größeres persönliches Engagement des Psychoanalytikers führte im Verlauf von bald hundert Jahren – über H. S. Sullivan, K. Horney, F. Perls, D. Stolorow, S. Mitchell, M. Stark und anderen – zur intersubjektiven Wende in der Psychoanalyse. Dabei lässt sich der Therapeut möglichst authentisch, kongruent und respektvoll (C. Rogers) als Mitmensch mit eigener Lebensgeschichte auf eine Ich-Du-Beziehung auf Augenhöhe mit seinem Patienten ein.

Im Workshop erkunden wir einerseits, wie wir uns zur Wahrung unseres Status als wissende Fachperson, zur Stabilisierung unserer Selbst-Ideale und zum Schutz vor Kränkungen gegen die Nivellierung der professionellen Asymmetrie wehren; und andererseits, wie wir die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (Milan Kundera) in der Beziehung zu den Menschen, die sich unserer Führung und Begleitung anvertrauen, ertragen lernen können, um sie nicht nur fachlich richtig, sondern auch persönlich stimmig zu gestalten.

Potentialorientierte Psychologie in der Menschenführung – Berufliche und persönliche Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Potentialentfaltung

Fortbildung für Menschen, die in ihren Berufen andere Menschen führen und auf der Grundlage von wachsendem Selbstverständnis Menschenkenntnis gewinnen wollen.

Potentialorientierte Psychologie integriert die Menschenbilder konkurrierender Schulen zu einer zeitgemäßen Orientierung.

Der Behaviorismus versteht menschliches Verhalten wie das von Labortieren als Abfolge von konditionierten Reflexreaktionen und setzt auf Neukonditionierung zur Lösung von unbefriedigenden Verhaltensmustern.

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds und seiner Nachfolger erkennt
  • das Unbewusste als Triebkraft für menschlicher Motivation,
  • die Verdrängung schmerzlicher und beschämender Bewusstseinsinhalte,
  • die Entwicklung eines idealisierten Selbstbildes durch Anpassung in der frühen Kindheit,
  • die Abwehr von Impulsen, die das Ich-Ideal gefährden könnten,
  • das Wegdrücken (die Depression) von Empfindungen, Gefühlen und Emotionen,
  • die Übertragung frühkindlicher Beziehungserfahrungen auf die Beziehungen der Gegenwart und
  • den Widerstand gegen Veränderung – auch gegen Verbesserung –
und bemüht sich um Überwindung der Bindung an die Vergangenheit durch Introspektion, Reflexion und begriffliches Verständnis.
 
Humanistische Psychologie postuliert
  • das menschliche Potential – die Begabung zur umfassenden Menschlichkeit – in den Bereichen Da-Sein (Existenz), Dabei-Sein (Zugehörigkeit), Jemand-Sein (Persönlichkeit) und Selbst-Sein (Person) (Abraham Maslow),
  • die spezifisch menschliche Tendenz, über die Erfüllung der Grundbedürfnisse hinaus als höhere oder Meta-Bedürfnisse erlebte Begabungen (Abraham Maslow) – wie Wahrheitsliebe, Ästhetik, Güte, Kreativität, Humor, Intention, Wille, Werte, Dienst an der Gemeinschaft und Hingabe an Leben und Sterben – im Prozess der Selbstverwirklichung (Carl Rogers) zu entfalten, sowie
  • Bereitschaft zu Transzendenzerfahrung als Merkmal menschlicher Gesundheit (Maslow).

Moderne Hirnforschung bestätigt alle drei Richtungen: Viel von unserem Verhalten ist Reflexgeschehen; unsere Motivation ist uns meist nicht bewusst, wir verleugnen und verdrängen, was war, und wehren uns gegen Veränderung – und wir können über uns hinauswachsen. 

In dieser Serie erforschen wir experimentell die Integration der vier genannten Elemente als Grundlage einer auf Potentialentfaltung ausgerichteten Menschenführung in Impulsreferaten, Übungen in Kleingruppen und Erfahrungsaustausch im Plenum.

In der täglichen Rhythmischen Körper-Bewusstseinsarbeit TaKeTiNa (Reinhard Flatischler) können wir auf spielerische Weise erkunden, wie wir uns für die Entfaltung unseres Potentials verschließen, oder über die Erfahrung von Gelöstheit, Durchlässigkeit, Getragensein, Vertrauen in den Fluss des Lebens und Lebensfreude lernen, uns dafür zu öffnen.

Die Workshops können einzeln zur jeweils angegebenen Kursgebühr gebucht werden.
Beim vierten Workshop dieser Serie gewähren wir nachträglich 5 % Ermäßigung auf die Kursgebühr aller vier Workshops.

Die Serie wird in den nächsten Jahren fortgesetzt mit neuen Themen.

Weitere Informationen:

*Anerkennung von Fortbildungspunkten wird beantragt.

 

 

Wolf Büntig

Wolf Büntig

Dr. med., geb. 1937, ist Arzt mit Zusatztitel Psychotherapie, von der Bayerischen Landesärztekammer anerkannter Lehrtherapeut für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Bioenergetik und Balintgruppen. Er entwickelt, praktiziert und lehrt Potentialorientierte Psychotherapie. Er hat mit Christa Büntig ZIST aufgebaut und leitet heute die ZIST gemeinnützige GmbH.