Psychosomatik der Psychodynamik – Psychodynamik der Psychosomatik*

Termin:
So., 18.8.2019, 18.30 h bis Fr., 23.8.2019, 14.00 h
( frei )
Kursgebühr:
Kursnummer:
190855
Leitung:
Teilen:

Leonard Seifert und Thomas Meier: TaKeTiNa    

Kann man sich ... mit dem Mysterium aussöhnen, dass die Seele das innerlich angeschaute Leben des Körpers und der Körper das äußerlich geoffenbarte Leben der Seele ist, dass die beiden nicht zwei, sondern eins sind, so versteht man auch, wie das Streben nach Überwindung der heutigen Bewusstseinsstufe durch das Unbewusste zum Körper führt und umgekehrt ... (C. G. Jung: Seelenprobleme der Gegenwart, GW 10. 1928)

Siehst du den Vogel da draußen – fliegt da sein Körper oder seine Seele? Es ist der Vogel, der fliegt! Wir müssen unterscheiden zwischen dem Körper, den wir haben, und dem Leib, der wir sind. (K. Graf Dürckheim: Persönliche Mitteilung)

Der Volksmund kennt zahllose Beispiele für den Zusammenhang von Leib und Seele. Für ihn sind Menschen eng- oder warmherzig, dünn- oder dickhäutig, steif oder locker; sie sind flink, gewandt, flexibel oder steif, unbeugsam, erstarrt; aufgeblasen, verschlagen, bodenlos und so weiter. Kinder sollen sich zusammenreißen, sich still, den Kopf hoch und den Mund halten; die Knie durchdrücken, um Kollaps zu vermeiden, und die Luft anhalten, um nicht frech zu werden. Zukünftigen Damen und Herren wurde Haltung empfohlen – Brust raus, Bauch rein! – und Soldaten wurde vor einem aussichtslosen Angriff befohlen: "Kneift den Arsch zusammen".

In diesem Workshop erkunden wir,

  • wie Fühlen den Körper zum Handeln befreit,
  • wie wir gewohnte Gefühle verkörpern und
  • wie unsere Haltung Übertragungsgefühle und -gedanken bedingt,
  • wie Spannung und Lösung in unterschiedlichen Körpersegmenten auf Atmung, Durchblutung, Bodenkontakt, Selbstgefühl, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit, Präsenz und so weiter wirken und
  • welche Rolle Halten und Lassen wahrscheinlich bei Entstehung, Verlauf und Ausgang von psychosomatischen Krankheiten spielen,
und wir üben, Veränderung im Körperausdruck unseres Gegenübers – Aufrichtung oder Kollaps, Aufatmen oder Verengung (Enge ≈ Angst), Veränderung von Tonus, Turgor und Schmelz der Haut, Leuchten der Augen, Zu- oder Abwendung, Haltung des Kopfes, Tiefe der Atmung, Resonanzraum für die Stimme und so weiter – als Rückmeldung für die Wirksamkeit unseres therapeutischen Tuns oder Lassens und als Auslöser unserer eigenen Übertragungen wahrzunehmen.
 

Potentialorientierte Psychologie in der Menschenführung – Menschenkenntnis durch Selbsterkenntnis

Berufliche und persönliche Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Potentialentfaltung

Gott schläft im Stein,
atmet in der Pflanze,
träumt im Tier und
erwacht im Menschen.
 
Eine Fortbildungsserie für Menschen, die Menschen führen:
Psychotherapeuten, Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, Lehrer, Erzieher, Mütter und Väter, Führungskräfte in der Wirtschaft, Polizisten, Offiziere, Coaches, Geistliche ...
 

Potentialorientierte Psychologie integriert die Menschenbilder konkurrierender Schulen zu einer zeitgemäßen Orientierung für Menschen, die mit Menschen arbeiten.

Der Behaviorismus versteht menschliches Verhalten wie das von Tieren als Abfolge von konditionierten Reflexen und setzt auf Neukonditionierung zur Lösung von unbefriedigenden Verhaltensmustern.

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds erkennt

  • das Unbewusste als Ausgangspunkt von menschlicher Motivation, 
  • die Abwehr von Impulsen, die ein idealisiertes Selbstbild gefährden könnten,
  • die Depression von Empfindungen, Gefühlen und Emotionen, 
  • die Verdrängung schmerzlicher und beschämender Bewusstseinsinhalte,
  • die Übertragung frühkindlicher Beziehungserfahrungen auf die Beziehungen der Gegenwart und  
  • den Widerstand gegen Veränderung – auch gegen Verbesserung –

und bemüht sich um Überwindung der Bindung an die Vergangenheit durch Introspektion, Reflexion und begriffliches Verständnis.

Humanistische Psychologie postuliert

  • das menschliche Potential – die Begabung zur umfassenden Menschlichkeit – in den Bereichen Da-Sein, Dabei-Sein, Jemand-Sein (Persönlichkeit) und Person-Sein (Abraham Maslow),
  • die Tendenz zur Entfaltung dieses Potentials zur Selbstverwirklichung (Carl Rogers) durch Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse von den Grundbedürfnissen bis hin zu den sogenannten höheren Bedürfnisse nach dem Wahren, Schönen und Guten, Wille, Kreativität, Humor, Werten, Hingabe und Dienst an der Gemeinschaft
  • sowie die Offenheit für spirituelle Erfahrung als Merkmal menschlicher Gesundheit.

Physiologie und moderne Hirnforschung bestätigen alle drei Richtungen: Viel von unserem Verhalten ist Reflexgeschehen; unsere Motivation ist uns meist nicht bewusst; wir verleugnen und verdrängen und wehren uns gegen Veränderung; und wir können – dank der sogenannten Neuroplastizität – über uns hinauswachsen.

In dieser Serie werden wir gemeinsam vor dem Hintergrund der vier genannten Bewusstseinsbereiche Elemente einer potentialorientierten Psychologie als Grundlage einer auf Potentialentfaltung ausgerichteten Menschenführung in Impulsreferaten, Übungen in Kleingruppen und Erfahrungsaustausch im Plenum experimentell entdecken.

In der Rhythmischen Körper-Bewusstseinsarbeit TaKeTiNa (Reinhard Flatischler) können wir auf spielerische Weise die Gewohnheiten erkunden, mit deren Hilfe wir uns – und von uns geführte andere sich – für Potentialentfaltung verschließen oder öffnen.

Die Workshops können einzeln zur jeweils angegebenen Kursgebühr gebucht werden.
Beim vierten Workshopbesuch dieser Serie gewähren wir nachträglich 5 % Ermäßigung auf die gesamte Kursgebühr.
 
Die Serie wird in den nächsten Jahren fortgesetzt mit neuen Themen.

Weitere Informationen:

*Anerkennung von Fortbildungspunkten wird beantragt.

Wolf Büntig

Wolf Büntig

Dr. med., geb. 1937, ist Arzt mit Zusatztitel Psychotherapie, von der Bayerischen Landesärztekammer anerkannter Lehrtherapeut für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Bioenergetik und Balintgruppen. Er entwickelt, praktiziert und lehrt Potentialorientierte Psychotherapie. Er hat mit Christa Büntig ZIST aufgebaut und leitet heute die ZIST gemeinnützige GmbH.