Weltbild und Bewusstsein*

Termin:
Di., 19.11.2019, 18.30 h bis So., 24.11.2019, 14.00 h
( frei )
Kursgebühr:
Kursnummer:
191155
Leitung:
Teilen:

Leonard Seifert und Thomas Meier: TaKeTiNa    

Putin ist böse, Trump ist unmöglich, Wissenschaft ist objektiv und die Erde ist eine Scheibe. Unser Weltbild wird gesteuert von den Bedingungen der Glaubensgemeinschaft, der wir angehören. Der Pionier der Psychoonkologie Lawrence LeShan schlägt vor, menschliches Bewusstsein in Beziehung zu unseren Weltbildern zu studieren[1]. Diese verortet er in vier gleich gültigen Bereichen menschlichen Erlebens, die sich durch Begrenztheit und Messbarkeit unterscheiden. 

In der dinglichen Realität sind die Objekte definiert und messbar. In der Naturwissenschaft schaffen wir mithilfe der deduktiven Intelligenz Fakten, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wahr scheinen. 
Die Erscheinungen des Seelenlebens sind voneinander abgrenzbar, doch ihre objektive Vermessung ist für das subjektive Erleben von geringer Bedeutung. Wir erkennen sie dank unserer emotionalen Intelligenz und erforschen sie in der Psychologie.
Die unendlichen Dimensionen Raum und Zeit sind in Ab- und Ausschnitten vermessbar, erschließen sich jedoch dem subjektiven Erleben sinnlich als Daumenbreite, Prise und Augenblick. Wir erkunden sie in der Philosophie mithilfe der spekulativen Intelligenz. 
Jenen Bereich des Erlebens schließlich, von dem die Monotheisten sich kein Bild machen sollen und den die Sioux das große Geheimnis und die Philosophen das Wunder des Seins nennen, erkennen wir im Gipfelerlebnis, in der mystischen Erfahrung oder im Sterben mithilfe der Intelligenz des Herzens als allumfassende, wahre Wirklichkeit[2].
 

Im Workshop erkunden wir, wie wir uns durch Identifikation mit Weltbildern in Wahrnehmung, Fühlen, Denken und Handeln beschränken und durch Begegnung mit dem Fremden in uns und anderen[3] unser Potential zur menschlichen Kompetenz entfalten[4] können.


[1] LeShan, Lawrence: Das Rätsel der Erkenntnis: Wie Realität entsteht, Carl Auer
[2] Maslow, Abraham: Jeder Mensch ist ein Mystiker, Peter Hammer Verlag
[3] Gruen, Arno: Der Fremde in uns, dtv
[4] LeShan, Lawrence/Büntig, Wolf: Die Melodie des eigenen Lebens finden, Auditorium

Potentialorientierte Psychologie in der Menschenführung – Menschenkenntnis durch Selbsterkenntnis

Berufliche und persönliche Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Potentialentfaltung

Gott schläft im Stein,
atmet in der Pflanze,
träumt im Tier und
erwacht im Menschen.
 
Eine Fortbildungsserie für Menschen, die Menschen führen:
Psychotherapeuten, Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, Lehrer, Erzieher, Mütter und Väter, Führungskräfte in der Wirtschaft, Polizisten, Offiziere, Coaches, Geistliche ...
 

Potentialorientierte Psychologie integriert die Menschenbilder konkurrierender Schulen zu einer zeitgemäßen Orientierung für Menschen, die mit Menschen arbeiten.

Der Behaviorismus versteht menschliches Verhalten wie das von Tieren als Abfolge von konditionierten Reflexen und setzt auf Neukonditionierung zur Lösung von unbefriedigenden Verhaltensmustern.

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds erkennt

  • das Unbewusste als Ausgangspunkt von menschlicher Motivation, 
  • die Abwehr von Impulsen, die ein idealisiertes Selbstbild gefährden könnten,
  • die Depression von Empfindungen, Gefühlen und Emotionen, 
  • die Verdrängung schmerzlicher und beschämender Bewusstseinsinhalte,
  • die Übertragung frühkindlicher Beziehungserfahrungen auf die Beziehungen der Gegenwart und  
  • den Widerstand gegen Veränderung – auch gegen Verbesserung –

und bemüht sich um Überwindung der Bindung an die Vergangenheit durch Introspektion, Reflexion und begriffliches Verständnis.

Humanistische Psychologie postuliert

  • das menschliche Potential – die Begabung zur umfassenden Menschlichkeit – in den Bereichen Da-Sein, Dabei-Sein, Jemand-Sein (Persönlichkeit) und Person-Sein (Abraham Maslow),
  • die Tendenz zur Entfaltung dieses Potentials zur Selbstverwirklichung (Carl Rogers) durch Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse von den Grundbedürfnissen bis hin zu den sogenannten höheren Bedürfnisse nach dem Wahren, Schönen und Guten, Wille, Kreativität, Humor, Werten, Hingabe und Dienst an der Gemeinschaft
  • sowie die Offenheit für spirituelle Erfahrung als Merkmal menschlicher Gesundheit.

Physiologie und moderne Hirnforschung bestätigen alle drei Richtungen: Viel von unserem Verhalten ist Reflexgeschehen; unsere Motivation ist uns meist nicht bewusst; wir verleugnen und verdrängen und wehren uns gegen Veränderung; und wir können – dank der sogenannten Neuroplastizität – über uns hinauswachsen.

In dieser Serie werden wir gemeinsam vor dem Hintergrund der vier genannten Bewusstseinsbereiche Elemente einer potentialorientierten Psychologie als Grundlage einer auf Potentialentfaltung ausgerichteten Menschenführung in Impulsreferaten, Übungen in Kleingruppen und Erfahrungsaustausch im Plenum experimentell entdecken.

In der Rhythmischen Körper-Bewusstseinsarbeit TaKeTiNa (Reinhard Flatischler) können wir auf spielerische Weise die Gewohnheiten erkunden, mit deren Hilfe wir uns – und von uns geführte andere sich – für Potentialentfaltung verschließen oder öffnen.

Die Workshops können einzeln zur jeweils angegebenen Kursgebühr gebucht werden.
Beim vierten Workshopbesuch dieser Serie gewähren wir nachträglich 5 % Ermäßigung auf die gesamte Kursgebühr.
 
Die Serie wird in den nächsten Jahren fortgesetzt mit neuen Themen.

Weitere Informationen:

*Anerkennung von Fortbildungspunkten wird beantragt.

Wolf Büntig

Wolf Büntig

Dr. med., geb. 1937, ist Arzt mit Zusatztitel Psychotherapie, von der Bayerischen Landesärztekammer anerkannter Lehrtherapeut für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Bioenergetik und Balintgruppen. Er entwickelt, praktiziert und lehrt Potentialorientierte Psychotherapie. Er hat mit Christa Büntig ZIST aufgebaut und leitet heute die ZIST gemeinnützige GmbH.