Wesen und Charakter*

Termin:
Fr., 13.11.2020, 18.30 h bis Mi., 18.11.2020, 14.00 h
( frei )
Kursgebühr:
Kursnummer:
201155
Leitung:
Teilen:

Leonard Seifert und Thomas Meier: TaKeTiNa

Wir kommen auf die Welt mit einem eingeborenen Wissen, was für uns stimmt, und mit der Erwartung auf entsprechende Resonanz der Welt. Doch die Vertreter dieser Welt haben kulturelle Vorstellungen davon, was für Kinder richtig ist. In unserem frühkindlichen Angewiesensein auf die Vertreter dieser Welt passen wir uns deren Sicht an, definieren uns durch die Entwicklung fixierter Haltungen und Einstellungen und entwickeln einen Charakter – griechisch: das Geprägte. Statt eine Person zu werden, durch die das wesentlich Menschliche hindurchtönt, werden wir eine Persönlichkeit – jemand, der etwas darstellt –, machen, was in den Augen anderer richtig ist, auch wenn es für uns nicht stimmt, und werden uns selbst fremd.

Die gewohnte, in Körperhaltung und Einstellung fixierte Weise, in der Welt zu sein, engt uns ein in Wahrnehmung, Fühlen, Denken und Handeln und bedingt einen innerseelischen Konflikt zwischen dem gegebenen Inbild unseres Seins und dem erworbenen, vertrauten und damit Sicherheit versprechenden Bild davon, wie ich und es eigentlich sein sollte. Gebunden im Charakter fliehen wir vor dem, was wir am notwendigsten brauchen, und setzen uns Situationen aus, die uns schaden, bis wir leiden oder gar krank werden.

In dieser Fortbildung für Menschen, die mit Menschen arbeiten, studieren wir am eigenen Leib durch Körperlesen, Familienstellen und bewusstes Fühlen einerseits, wie wir wesensgemäße Entfaltung behindern, indem wir uns auf die Erfüllung von erworbenen Vorstellungen versteifen, und andererseits, wie wir uns von Vorstellung und Identifikation lösen und zu unserer ursprünglichen Natur zurückfinden können.

Siehe auch: https://www.zist.de/de/veroeffentlichung/wesen-und-charakter

Potentialorientierte Psychologie in der Menschenführung – Berufliche und persönliche Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Potentialentfaltung

Fortbildung für Menschen, die in ihren Berufen andere Menschen führen und auf der Grundlage von wachsendem Selbstverständnis Menschenkenntnis gewinnen wollen.

Potentialorientierte Psychologie integriert die Menschenbilder konkurrierender Schulen zu einer zeitgemäßen Orientierung.

Der Behaviorismus versteht menschliches Verhalten wie das von Labortieren als Abfolge von konditionierten Reflexreaktionen und setzt auf Neukonditionierung zur Lösung von unbefriedigenden Verhaltensmustern.

Die Psychoanalyse Sigmund Freuds und seiner Nachfolger erkennt
  • das Unbewusste als Triebkraft für menschlicher Motivation,
  • die Verdrängung schmerzlicher und beschämender Bewusstseinsinhalte,
  • die Entwicklung eines idealisiertes Selbstbildes durch Anpassung in der frühen Kindheit,
  • die Abwehr von Impulsen, die das Ich-Ideal gefährden könnten,
  • das Wegdrücken (die Depression) von Empfindungen, Gefühlen und Emotionen,
  • die Übertragung frühkindlicher Beziehungserfahrungen auf die Beziehungen der Gegenwart und
  • den Widerstand gegen Veränderung – auch gegen Verbesserung –
und bemüht sich um Überwindung der Bindung an die Vergangenheit durch Introspektion, Reflexion und begriffliches Verständnis.
 
Humanistische Psychologie postuliert
  • das menschliche Potential – die Begabung zur umfassenden Menschlichkeit – in den Bereichen Da-Sein, Dabei-Sein, Jemand-Sein (Persönlichkeit) und Person-Sein (Abraham Maslow),
  • die Tendenz zur Entfaltung dieses Potentials im Prozess der Selbstverwirklichung (Carl Rogers) durch Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse von den Grundbedürfnissen über die sogenannten höheren Bedürfnisse nach dem Wahren, Schönen und Guten, Wille, Kreativität, Humor, Werte, Dienst an der Gemeinschaft und Hingabe an Leben und Sterben bis hin zur
  • Offenheit für spirituelle Erfahrung als Merkmal menschlicher Gesundheit (Maslow).

Moderne Hirnforschung bestätigt alle drei Richtungen: Viel von unserem Verhalten ist Reflexgeschehen; unsere Motivation ist uns meist nicht bewusst, wir verleugnen und verdrängen und wehren uns gegen Veränderung und wir können über uns hinauswachsen.

In dieser Serie erforschen wir experimentell die Integration der vier genannten Elemente als Grundlage einer auf Potentialentfaltung ausgerichteten Menschenführung in Impulsreferaten, Übungen in Kleingruppen und Erfahrungsaustausch im Plenum.

In der täglichen Rhythmischen Körper-Bewusstseinsarbeit TaKeTiNa (Reinhard Flatischler) können wir auf spielerische Weise erkunden, wie wir uns für die Entfaltung unseres Potentials verschließen, oder über die Erfahrung von Gelöstheit, Durchlässigkeit, Getragensein, Vertrauen in den Fluss des Lebens und Lebensfreude lernen, uns dafür zu öffnen.

Die Workshops können einzeln zur jeweils angegebenen Kursgebühr gebucht werden.
Beim vierten Workshop dieser Serie gewähren wir nachträglich 5 % Ermäßigung auf die Kursgebühr aller vier Workshops.

Die Serie wird in den nächsten Jahren fortgesetzt mit neuen Themen.

Weitere Teile dieser Workshop-Reihe:

Weitere Informationen:

*Anerkennung von Fortbildungspunkten wird beantragt.

 

 

Wolf Büntig

Wolf Büntig

Dr. med., geb. 1937, ist Arzt mit Zusatztitel Psychotherapie, von der Bayerischen Landesärztekammer anerkannter Lehrtherapeut für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Bioenergetik und Balintgruppen. Er entwickelt, praktiziert und lehrt Potentialorientierte Psychotherapie. Er hat mit Christa Büntig ZIST aufgebaut und leitet heute die ZIST gemeinnützige GmbH.