Vater – wo bist du?*

Termin:
Mi., 10.1.2018, 18.30 h bis So., 14.1.2018, 14.00 h
( frei )
Kursgebühr:
Kursnummer:
180132
Leitung:
Teilen:

N. N. und N. N.: TaKeTiNa   

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs mindestens ein Viertel der Kinder ohne Vater auf. Das Problem der vaterlosen Gesellen wurde vielfach reflektiert – literarisch bald nach dem Krieg durch Heinrich Böll (Haus ohne Hüter), psychoanalytisch durch Alexander Mitscherlich (Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft) und schließlich in der Sozialforschung. Sabine Bode (Die vergessene Generation) beschrieb, wie viele der Kriegskinder ungeheuer tüchtig wurden – und manche tüchtige Ungeheuer, so Jens Hoffmann (Auffällig viele Psychopathen werden Chef). Der Psychoanalytiker Horst Petri (Das Drama der Vaterentbehrung) führt die gravierenden Folgen der Abspaltung des abhanden gekommenen Vaters aus dem Bewusstsein nicht nur auf die Weltkriege, sondern auch auf den Krieg der Geschlechter zurück.

Im Alten Testament wird ein König als "Sohn von" durch den Vater vorgestellt, der durch seinen Vater und so weiter, und bei der Schamanismus-Konferenz von ZIST 2000 meinte der Vertreter des mongolischen Schamanismus, in seiner Kultur müsse, wer zu den Männern gezählt werden wolle, die Namen und Taten seiner Väter der – mindestens – sieben vergangenen Generationen kennen.

Wir bringen aus Jahrmillionen Menschheitserfahrung archetypische Vaterbilder mit in diese Welt und erwarten Bestätigung dieser Bilder durch Begegnung mit dem realen Vater. Das Ausbleiben der Erfüllung dieser Erwartung kann so traumatisch sein wie das Ausbleiben von Willkommen bei der Geburt, Vernachlässigung oder Gewalt in der Säuglingszeit oder das Schuldgefühl beim vergeblichen Versuch, den fehlenden Vater zu ersetzen. Abspaltung des Bedürfnisses nach Begegnung mit dem Vater kostet Lebenskraft und kann zu Selbstüberschätzung, Selbstüberforderung und Selbstausbeutung bis hin zum Burnout führen.

Ohne Vater wären wir nicht am Leben. Die Überzeugungen "Ich habe keinen Vater", "Ich brauche keinen Vater", "Mein Vater ist ein ..." sind Einbildungen, die notwendig waren in der Not der Abhängigkeit von einer überforderten Mutter. Nach Jahrzehnten der Selbstständigkeit kann es notwendig werden, sie durch entlastende Bilder zu ersetzen.

Mit Hinweis auf "ein narzissmusgeprägtes, erfolgreiches Berufsleben mit finalem Crash" im Dienst der kompensatorischen "Lebensbewältigung des Kleinen Mannes" empfahl ein Betroffener "Bereitstellung eines Forums, welches dazu beitragen könnte, Schmerz, Tränen und fehlenden Trost in neue Lebensenergie zu transformieren". Dieser Empfehlung folgen wir mithilfe von Impulsreferat, Selbsterkundung in Kleingruppen, Mitteilung und Austausch im Plenum, vertiefendem Gespräch und der Selbsterfahrung fördernden Rhythmischen Körper-Bewusstseinsarbeit TaKeTiNa.

Weitere Informationen:

*Anerkennung von Fortbildungspunkten wird beantragt.

Wolf Büntig

Wolf Büntig

Dr. med., geb. 1937, ist Arzt mit Zusatztitel Psychotherapie, von der Bayerischen Landesärztekammer anerkannter Lehrtherapeut für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Bioenergetik und Balintgruppen. Er entwickelt, praktiziert und lehrt Potentialorientierte Psychotherapie. Er hat mit Christa Büntig ZIST aufgebaut und leitet heute die ZIST gemeinnützige GmbH.