Philosophie & Alleinstellungsmerkmale

Wissen durch Erfahrung – das Motto der ZIST Akademie für Psychotherapie

Es gibt zweierlei Wissen, Wissen durch Beweisführung und Wissen aus Erfahrung. Die Beweisführung führt zu Schlussfolgerungen und zwingt uns, dieselben anzuerkennen. Sie beseitigt aber weder den Zweifel noch führt sie zu jener Gewissheit, in der der Geist in Frieden ruhen könnte,es sei denn, diese (Gewissheit) käme durch Erfahrung zustande.
Roger Bacon, ca. 1214–1292

 

Alleinstellungsmerkmale der ZIST Akademie 

Die Lerngemeinschaft

Die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung an der ZIST Akademie kommen aus dem gesamten Bundesgebiet – nur etwa 20 % kommen aus dem Umfeld von München.

Sie leben während der Workshops der theoretischen Ausbildung zusammen im Seminarzentrum ZIST Penzberg (Bedingung auch für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der näheren Umgebung). Sie entwickeln dabei kollegiale Beziehungen und streiten, trauern und feiern miteinander. Sie lernen in Klient-Therapeut-Supervisor-Triaden miteinander, aneinander und voneinander und stellen einander durch Referate in Abendseminaren über die Pflichtfächer hinausgehende theoretische Modelle und praktische Therapieverfahren vor.

Sie lernen auch außerhalb der Unterrichtszeit miteinander, indem sie sich in den Intervallen zwischen den Workshops in Privatwohnungen beziehungsweise in Skype- oder Telefonkonferenzen zum Erfahrungstausch und zum Üben treffen.

Breiter theoretischer Hintergrund

Die Ausbildung der ZIST Akademie vermittelt die grundlegenden und vertiefenden Konzepte der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie auf dem neuesten Stand einschließlich der zentralen Elemente verwandter oder daraus abgeleiteter Verfahren wie der Gestalttherapie und der in der Tradition des Freud-Schülers Wilhelm Reich stehenden tiefenpsychologisch fundierten Körperpsychotherapie. Die Ausbildung integriert darüber hinaus in Theorie und Selbsterfahrung Konzepte der Verhaltens- und der Hirnforschung, der transgenerational-systemischen Psychologie und spirituelle Aspekte menschlicher Entwicklung.

Potentialorientierter Ansatz

Kern der Ausbildung ist eine auf Potentialentfaltung ausgerichtete Arbeitsweise. Die sich entfaltende Person sucht unablässig einen Ausweg aus dem Konflikt zwischen den polar entgegengesetzten Bedürfnissen nach Gestaltpermanenz und Gestaltwandel durch die Rückkehr in die vertraute Sicherheit der konditionierten Muster (Regression) einerseits und dem ihrem menschlichen Potential gemäßen Drang, über die erreichte Stufe hinauszuwachsen (Progression) andererseits. Therapieziel einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wäre somit nicht nur die Beseitigung von Störungen, sondern im Sinn der restitutio ad integrum – der Wiederherstellung der Ganzheit – die Verwirklichung latenter Potentiale. Der angesagte Wandel kann Angst auslösen, die Stagnation so viel Lebenskraft binden, dass sie für die Abwehr von Krankheit nicht ausreicht. Deswegen lernen die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung an der ZIST Akademie bei Personen in der Krise die naturgegebene Motivation zur Potentialentfaltung zu fördern gemäß Gerald Hüthers Dreisatz Einladen, Inspirieren, Ermutigen.

Humanistisch-psychologische Orientierung

Humanistische Psychologie ist nicht, wie hierzulande vielfach verkürzend angenommen, ein Sammelsurium alternativer Methoden. (Es gibt defizitorientierte Gestalt- und Körperpsychotherapeuten und an Potentialentfaltung orientierte Psychoanalytiker).

Humanistische Psychologie ist vielmehr eine Wissenschaft vom Menschen, die das mechanistisch-biologistische, deterministisch-deduktionistische und defizitorientierte Menschenbild der klassischen Verhaltensforschung und Psychoanalyse der Sechzigerjahre ergänzt und erweitert hat durch die Erforschung spezifisch menschlicher Eigenart. Zu den Konzepten der Humanistischen Psychologie gehören unter anderen
  • das menschliche Potential (Aldous Huxley, Abraham Maslow, Carl Rogers und andere).
  • die Hierarchie der Bedürfnisse, Instinktcharakter auch der höheren Bedürfnisse einschließlich der Motivation zur Entfaltung (Maslow).
  • das Verständnis von Aggression als Leben unterstützende Fähigkeit zum Ortswechsel im Dienst der Bedürfnisbefriedigung: Hin zum Nahrhaften und Nützlichen, weg vom Zehrenden und Schädlichen und gegen das Bedrohliche (Karen Horney).
  • die Begabung zum Willen (Rollo May, Roberto Assagioli).
  • das menschliche Potential zu Gewalt und Destruktivität (Rollo May).
  • Entfaltung des menschlichen Potentials zur Person als Lebensweg (Carl Rogers).
  • die Frage nach dem Sinn (Viktor Frankl), die menschliche Begabung zur Spiritualität (Assagioli) sowie der Transzendenztrieb und die Offenheit für die sogenannten Gipfelerlebnisse (Maslow).
  • Psychopathologie als gesunde Anpassung an kranke Verhältnisse und Phänomenologie der Erfahrung (Harry Stack Sullivan, Ronald Laing). 
Salutogenetischer Ansatz
Während Pathogenese Krankheiten auf krankmachende Ursachen zurückführt mit dem Ziel, deren Folgen zu beseitigen, befasst sich Salutogenese mit der Entstehung, der Förderung und der Erhaltung von Gesundheit. Während die Pathogenese die Entwicklung von psychischen und psychosomatischen Krankheiten auf innerseelische Konflikte beziehungsweise die Prägung durch Mangel und Trauma zurückführt und deren Heilung durch heilsame Beziehungserfahrungen anstrebt, studiert Salutogenese jene Beziehungsfaktoren, die die Entfaltung des Potentials der Person zu seelischer und psychosomatischer Gesundheit fördern.
 
Integrative Theorievermittlung
Die Theorievermittlung in der Ausbildung der ZIST Akademie ist
  • beziehungsorientiert: Menschen entfalten ihr Potential zur Gesundheit – in ihrer frühen Kindheit wie in der Psychotherapie – in Abhängigkeit von der Qualität der Beziehung zur Bezugsperson. Deshalb wird in der Ausbildung der ZIST Akademie die Entfaltung von persönliches Lernen und Bindung fördernden Qualitäten wie Wertschätzung, Authentizität und Kongruenz sowohl in den Beziehungen zu den Lehrpersonen als auch zu den Kolleginnen und Kollegen unterstützt.
  • selbsterfahrungsorientiert: Theorie wird im Zusammenhang mit theorierelevanter Selbsterfahrung vermittelt.
  • facettenreich: In der Ausbildung der ZIST Akademie lernen die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung die leidenden Personen (Patienten) und deren Symptome, strukturelle, inner­- ­psychische und aktuelle Konflikte, Bewältigungsstrategien und Entwicklungspotentiale aus einer Vielzahl von Perspektiven zu betrachten, zu behandeln und zu entfalten.
  • körperorientiert: Die Ausbildung integriert die reiche theoretische Tradition der modernen tiefenpsychologisch fundierten Körper­- psychotherapie von Sigmund Freud (Psychoanalyse) über Wilhelm Reich (Widerstandsanalyse, Charakteranalyse), Alexander Lowen (Bioenergetische Analyse), Stanley Keleman (Formativer Prozess) und andere Schulengründer wie Fritz Perls (Gestalttherapie), Milton Erickson (Hypnotherapie) und transgenerationale Systemtherapie (Hellinger).
  • gegenwartsorientiert: Leben, Lernen und korrigierende oder ergänzende Erfahrung finden in der Gegenwart statt. Deswegen wird den Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung neben Methoden der Aufarbeitung der Vergangenheit vor allem Handwerkzeug zur Entwicklung einer Gesundheit erhaltenden Gegenwärtigkeit vermittelt.
  • potentialorientiert: Krisen und Krankheit werden weniger als zu beseitigende Störungen denn als Anzeichen von blockierten Entwicklungen gesehen.
  • achtsamkeitsorientiert: Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in der freien Spitze – unter anderem in Meditationsübungen – achtsam wahrnehmen, was ist, was sich entfalten will, was Entfaltung behindert und was sie unterstützt.
  • autonomieorientiert: Die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung lernen, statt das Erleben der Patientinnen und Patienten von außen zu deuten, ihnen zuzumuten, ihren gegenwärtigen Wahrnehmungen – im Sinne einer Deutung von innen – selbst fühlend eine der Gegenwart entsprechende Bedeutung zu geben.
  • praxisorientiert: Die theoretische Ausbildung wird von Anfang an auf die praktische Tätigkeit in Klinik und Praxis sowie auf die praktische Ausbildung unter Supervision ausgerichtet und in angeleitetem Üben in therapeutisches Handeln umgesetzt.
  • kreativitätsorientiert: Kunst-, musik- und rhythmustherapeutische Ansätze sind Teil der freien Spitze.
  • medienunterstützt: Die Theorieeinheiten, Demonstrationen, Übungen und während der Ausbildung unter kollegialer Supervision durchgeführten Therapiesitzungen können gelegentlich auf Video aufgezeichnet werden und dienen dem Studium therapeutischer Prozesse.