TRADITION UND AUFTRAG
Wir sollten herausfinden,
von wem wir reden,
wenn wir ,Ich‘ sagen.
Wolf Büntig
Dr. med. Wolf E. Büntig († 14. August 2021)
Im August 2021 verstarb Dr. med. Wolf Büntig, Gründer und bis zu seinem Lebensende Leiter von ZIST, im Kreise seiner Familie in ZIST.
Hier sehen Sie ein kleines Video zum Gedenken an Wolf sowie ein Gedicht Wolfs, das ihm sehr am Herzen gelegen hat. Außerdem haben Sie Einsicht in das Kondolenzbuch.
Standing at the sea-shore
I cannot tell
where the river ends and
the ocean begins
And I wonder
What may these waters
connecting source with sea
know of clouds
Am Meeresufer stehend
Kann ich nicht sagen
Wo der Fluss endet
Und der Ozean beginnt
Und mich nimmt wunder
Was mag wohl dieser Strom
Der Quell mit Meer verbindet
Von Wolken wissen
Wolf Büntig
Kondolenzbuch für Wolf Büntig
Ohne ihn zuvor gesehen zu haben, wurde er mir, seine Stimme, seine Art, Menschen zu erkennen und zu finden, sehr vertraut. So vertraut, dass ich ihm irgendwann, vom eigenen Mut selber überrascht, die Frage gestellt habe, ob ich seine Biografie schreiben dürfe. Es kam zu unserer zweiten Begegnung. Ein leichter, wunderschöner Sommertag im ZIST. Dabei hatte ich eines meiner Bücher als 'Nachweis', hab mich darauf berufen, dass ich ja auch Literaturwissenschaftlerin sei, also schreiben könne... Er hat mir konzentriert zugehört, geschmunzelt, gemeint, er würde darüber nachdenken.
Dann habe ich lange nichts mehr gehört. Eines Tages - es war inzwischen fast ein Jahr vergangen - kamen ein paar kurze, wertschätzende Zeilen mit einer Absage. Er würde jetzt das Buch selber schreiben. Ich hatte inzwischen mein 'Angebot' vergessen gehabt, wahrscheinlich, weil ich schon kurz nach unserer Begegnung die Empfindung bekommen hatte, dass es doch in seinem Umfeld Menschen geben müßte, die viel näher dran sind, Berufenere, als mich, Lebensvertraute.
Er hatte durch seine Vorträge auf den CDs - ja, das ist möglich, wie ich jetzt weiß - meinen eigenen Behandlungsstil verändert hin zu unverändert liebevoller, doch gleichzeitig klarer Konfrontation. Ich habe auf diesen langen Autofahrten zu einem konfliktfreudigeren Umgang mit meinen eigenen Patienten gefunden. Ich traue ihnen mehr zu, ich mute ihnen mehr zu, ich achte sie in ihrer wunderbaren Eigenart.
Meine Dankbarkeit diesem ungewöhnlichen Mann gegenüber ist groß. Er ist, war - leider - ein Seelen-Leser, wie ich wenigen davor begegnet bin.