Salutogenese - Entstehung und Erhaltung von Gesundheit

SALUTOGENESE – Was ist das?

„Salutogenese“ setzt sich aus dem Lateinischen „Salus“ und „Genese“ zusammen. Salus bedeutet „Gesundheit“ und Genese bedeutet „Entstehung/Ursprung“.
Es geht bei der Salutogenese also um die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit – im Gegensatz zur Pathogenese, die die Entstehung von Krankheiten untersucht.

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky untersuchte in den 70er-Jahren, welche Faktoren die Salutogenese beeinflussen. Er untersuchte eine Gruppe von Frauen, die in jungen Jahren in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen waren, im Hinblick auf ihre Anpassungsfähigkeit an die Menopause. Die Ergebnisse verglich er mit einer Kontrollgruppe von Frauen, die ohne diese schlimmen Erlebnisse (Stressoren) aufgewachsen waren.

Dabei stellte Antonovsky fest, dass der psychische und körperliche Gesundheitszustand der Kontrollgruppe in 51 % der Fälle nicht beeinträchtigt war, während es bei den KZ-Überlebenden 29 % waren. Überraschend an diesem Ergebnis war dabei nicht der Unterscheid an sich, sondern die Tatsache, dass 29 % der Frauen, die in ihrer Jugend extrem belastenden Verhältnissen ausgesetzt waren, körperlich und geistig völlig gesund geblieben waren.

Sie schienen über körpereigene Ressourcen zu verfügen, die sie trotz aller Vorbelastungen gesundhielten. Durch Antonovskys Untersuchung wurde der bis dahin übliche Fokus der Wissenschaft auf die Entstehung von Krankheit (Pathogenese) durch die Aspekte der Salutogenese, die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit, ergänzt.

Antonovsky entwickelte daraufhin ein Resilienz-Modell, das die Widerstandsfähigkeit und die kognitiven Bewältigungsstrategien zur Abwendung von Gesundheitsrisiken betont. Sie sind das Potential der Menschen, eine Art Bewältigungskompetenz, mit Spannungen und Belastungen konstruktiv umzugehen.

Persönliche Widerstandsressourcen sind beispielsweise das Immunsystem, Intelligenz, Flexibilität, Weitsichtigkeit, materieller Wohlstand und soziale Bindungen. Gesundheit ist demnach stark von äußeren Umständen abhängig.

Ebenso ausschlaggebend sind aber auch eine positive Selbsteinschätzung sowie die Arbeit an der eigenen Identität. Ziel ist ein Kohärenzgefühl – ein Zugehörigkeitsgefühl und eine tiefe innere Zufriedenheit mit sich selbst und anderen, das sich in einem dauerhaften, aber dynamischen Gefühl des Vertrauens ausdrückt.

Drei Komponenten beeinflussen das Kohärenzgefühl maßgeblich:

1. Verstehbarkeit: Die Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen zwischen den Geschehnissen, die im Leben passieren.
2. Handhabbarkeit: Die Überzeugung eines Menschen, dass Schwierigkeiten lösbar sind und die Fähigkeit, mit Geschehnissen umzugehen.
3. Sinnhaftigkeit: Die Überzeugung, dass alle Geschehnisse einen Sinn haben. Sie kann als Motivation oder Ansporn gedeutet werden, Schwierigkeiten in Angriff zu nehmen und zu bewältigen und aus Erfahrungen zu lernen.

Antonovskys Hypothese ist: Je stärker der Kohärenzsinn, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, sich im Kontinuum in Richtung des Pols Gesundheit zu bewegen.

Nach dem Salutogenese-Modell ist Gesundheit also kein Zustand, sondern muss als Prozess verstanden werden. Es gibt immer Phasen im Leben, in denen Krankheit oder Gesundheit überwiegt.

Dr. Wolf Büntig sagte einmal dazu: „Gesundheit ist eine Möglichkeit, deren Entfaltung wir behindern oder fördern können.“

 


 

In der Fortbildungsreihe „Salutogenese“ für Fachkräfte aus den Heil- und Sozialberufen werden Grundkenntnisse und praktische therapeutische Fertigkeiten für eine gezielte Unterstützung einer notwendigen medizinischen Behandlung durch Mobilisierung des natürlichen Potentials zur Heilung vermittelt.

Teile dieser Reihe sind:
„Neuromentales Stressmanagement“ mit Dr. Günther Linemayr
„Wozu bin ich krank? – Aufstellungsarbeit zur seelischen Funktion von Symptomen“ mit Thomas Geßner

 

Hier finden Sie die aktuellen Workshops und Weiterbildungen in ZIST zur Salutogenese.

 

 

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