Alleinstellungsmerkmale der Ausbildung

Folgende Schwerpunkte sind kennzeichnend für die Ausbildung der ZIST Akademie für Psychotherapie:

Die Lerngemeinschaft

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer leben während der Workshops zur theoretischen Ausbildung zusammen im Seminarzentrum ZIST Penzberg (Bedingung auch für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der näheren Umgebung).
Sie entwickeln dabei kollegiale Beziehungen und streiten, trauern und feiern miteinander. Sie lernen in Klient-Therapeut-Supervisor-Triaden miteinander, aneinander und voneinander und stellen einander durch Referate in Abendseminaren über die Pflichtfächer hinausgehende theoretische Modelle und praktische Therapieverfahren vor.
Sie lernen auch außerhalb der Unterrichtszeit miteinander, indem sie sich in den Intervallen zwischen den Workshops in Privatwohnungen beziehungsweise in Skype- oder Telefonkonferenzen zum Erfahrungstausch und zum Üben treffen.
 

Breiter theoretischer Hintergrund

Die Ausbildung der ZIST Akademie vermittelt die grundlegenden und vertiefenden Konzepte der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie auf dem neuesten Stand einschließlich der zentralen Elemente verwandter oder daraus abgeleiteter Verfahren wie der Gestalttherapie und der in der Tradition des Freud-Schülers Wilhelm Reich stehenden tiefenpsychologisch fundierten Körperpsychotherapie. Die Ausbildung integriert darüber hinaus in Theorie und Selbsterfahrung Konzepte der Verhaltens- und der Hirnforschung, der transgenerational-systemischen Psychologie und spirituelle Aspekte menschlicher Entwicklung.

Humanistisch-psychologische Orientierung

Humanistische Psychologie ist nicht, wie hierzulande vielfach verkürzend angenommen, ein Sammelsurium alternativer Methoden. (Es gibt defizitorientierte Gestalt- und Körperpsychotherapeuten und an Potentialentfaltung orientierte Psychoanalytiker). Humanistische Psychologie ist vielmehr eine Wissenschaft vom Menschen, die das mechanistisch-biologistische, deterministisch-deduktionistische und defizitorientierte Menschenbild der klassischen Verhaltensforschung und Psychoanalyse der Sechzigerjahre ergänzt und erweitert hat durch die Erforschung spezifisch menschlicher Eigenart. Zu den Konzepten der Humanistischen Psychologie gehören unter anderen

  • das menschliche Potential (Aldous Huxley, Abraham Maslow, Carl Rogers und andere).
  • die Hierarchie der Bedürfnisse, Instinktcharakter auch der höheren Bedürfnisse einschließlich der Motivation zur Entfaltung (Maslow).
  • das Verständnis von Aggression als Leben unterstützende Fähigkeit zum Ortswechsel im Dienst der Bedürfnisbefriedigung: Hin zu dem, was nährt und nützt, weg von dem, was zehrt und schadet; und gegen alles, was Integrität bedroht (Karen Horney).
  • die Begabung zum Willen (Rollo May, Roberto Assagioli).
  • das menschliche Potential zu Gewalt und Destruktivität (Rollo May).
  • Entfaltung des menschlichen Potentials zur Person als Lebensweg (Carl Rogers).
  • die Frage nach dem Sinn (Viktor Frankl), die menschliche Begabung zur Spiritualität (Assagioli) sowie der Transzendenztrieb und die Offenheit für die sogenannten Gipfelerlebnisse (Maslow).
  • Psychopathologie als gesunde Anpassung an kranke Verhältnisse und Phänomenologie der Erfahrung (Harry Stack Sullivan, Ronald Laing).

Potentialorientierter Ansatz

Kern der Ausbildung ist eine auf Potentialentfaltung ausgerichtete Arbeitsweise. Die sich entfaltende Person sucht unablässig einen Ausweg aus dem Konflikt zwischen den polar entgegengesetzten Bedürfnissen nach Gestaltpermanenz und Gestaltwandel durch die Rückkehr in die vertraute Sicherheit der konditionierten Muster (Regression) einerseits und dem ihrem menschlichen Potential gemäßen Drang, über die erreichte Stufe hinauszuwachsen (Progression) andererseits. Therapieziel einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wäre somit nicht nur die Beseitigung von Störungen, sondern im Sinn der restitutio ad integrum – der Wiederherstellung der Ganzheit – die Verwirklichung latenter Potentiale. Der angesagte Wandel kann Angst auslösen, die Stagnation so viel Lebenskraft binden, dass sie für die Abwehr von Krankheit nicht ausreicht. Deswegen lernen die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung an der ZIST Akademie bei Personen in der Krise die naturgegebene Motivation zur Potentialentfaltung zu fördern gemäß Gerald Hüthers Dreisatz Einladen, Inspirieren, Ermutigen.

Salutogenetischer Ansatz

Während Pathogenese Krankheiten auf krankmachende Ursachen zurückführt mit dem Ziel, deren Folgen zu beseitigen, befasst sich Salutogenese mit der Entstehung, der Förderung und der Erhaltung von Gesundheit. Während die Pathogenese die Entwicklung von psychischen und psychosomatischen Krankheiten auf innerseelische Konflikte beziehungsweise die Prägung durch Mangel und Trauma zurückführt und deren Heilung durch heilsame Beziehungserfahrungen anstrebt, studiert Salutogenese jene Beziehungsfaktoren, die die Entfaltung des Potentials der Person zu seelischer und psychosomatischer Gesundheit fördern.

Integrative Theorievermittlung

Die Theorievermittlung in der Ausbildung der ZIST Akademie ist

  • beziehungsorientiert: Menschen entfalten ihr Potential zur Gesundheit – in ihrer frühen Kindheit wie in der Psychotherapie – in Abhängigkeit von der Qualität der Beziehung zur Bezugsperson. Deshalb wird in der Ausbildung der ZIST Akademie die Entfaltung von persönliches Lernen und Bindung fördernden Qualitäten wie Wertschätzung, Authentizität und Kongruenz sowohl in den Beziehungen zu den Lehrpersonen als auch zu den Kolleginnen und Kollegen unterstützt.
  • selbsterfahrungsorientiert: Theorie wird im Zusammenhang mit theorierelevanter Selbsterfahrung vermittelt.
  • facettenreich: In der Ausbildung der ZIST Akademie lernen die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung die leidenden Personen (Patienten) und deren Symptome, strukturelle, innerpsychische und aktuelle Konflikte, Bewältigungsstrategien und Entwicklungspotentiale aus einer Vielzahl von Perspektiven zu betrachten, zu behandeln und zu entfalten.
  • körperorientiert: Die Ausbildung integriert die reiche theoretische Tradition der modernen tiefenpsychologisch fundierten Körperpsychotherapie von Sigmund Freud (Psychoanalyse) über Wilhelm Reich (Widerstandsanalyse, Charakteranalyse), Alexander Lowen (Bioenergetische Analyse), Stanley Keleman (Formativer Prozess) und andere Schulengründer wie Fritz Perls (Gestalttherapie), Milton Erickson (Hypnotherapie) und transgenerationale Systemtherapie (Hellinger). 
  • gegenwartsorientiert: Leben, Lernen und korrigierende oder ergänzende Erfahrung finden in der Gegenwart statt. Deswegen wird den Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung neben Methoden der Aufarbeitung der Vergangenheit vor allem Handwerkzeug zur Entwicklung einer Gesundheit fördernden Gegenwärtigkeit vermittelt.
  • potentialorientiert: Krisen und Krankheit werden weniger als zu beseitigende Störungen denn als Ausdruck blockierter Entwicklung gesehen. 
  • achtsamkeitsorientiert: Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in der freien Spitze – unter anderem in Meditationsübungen – achtsam wahrnehmen, was ist, was sich entfalten will, was Entfaltung behindert und was sie unterstützt. 
  • autonomieorientiert: Die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung lernen, statt das Erleben der Patientinnen und Patienten von außen zu deuten, ihnen zuzumuten, ihren gegenwärtigen Wahrnehmungen – im Sinne einer Deutung von innen – selbst fühlend eine der Gegenwart entsprechende Bedeutung zu geben.
  • praxisorientiert: Die theoretische Ausbildung wird von Anfang an auf die praktische Tätigkeit in Klinik und Praxis sowie auf die praktische Ausbildung unter Supervision ausgerichtet und in angeleitetem Üben in therapeutisches Handeln umgesetzt.
  • kreativitätsorientiert: Kunst-, musik- und rhythmustherapeutische Ansätze sind Teil der freien Spitze.
  • medienunterstützt: Die Theorieeinheiten, Demonstrationen, Übungen und die während der Ausbildung unter kollegialer Supervision durchgeführten Therapiesitzungen werden auf Video aufgezeichnet und dienen während der Ausbildung zum Studium therapeutischer Prozesse.

Methoden

In der Ausbildung an der ZIST Akademie wird vielfältiges methodisches Handwerkszeug aus unterschiedlichen Verfahren vermittelt einschließlich

  • tiefenpsychologische Psychotherapie,
  • tiefenpsychologisch fundierte Körperpsychotherapie,
  • Verhaltenstherapie,
  • klientenzentrierte Psychotherapie, Gesprächspsychotherapie (Carl Rogers),
  • Gestalttherapie (Fritz Perls),
  • bioenergetische Analyse (Alexander Lowen),
  • Hypnotherapie (Milton Erickson),
  • tiefenpsychologisch fundierte Traumatherapie (Luise Reddemann, Willi Butollo), 
  • phänomenologisch-systemische Familientherapie (Suitbert Hellinger) sowie
  • Kreativtherapien.

Prüfungsvorbereitung

Die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung werden darüber hinaus vorbereitet auf die Behandlung der Vielzahl von in der psychotherapeutischen Praxis zu erwartenden Problempräsentationen wie

  • Entwicklungs- und Anpassungsstörungen aufgrund neurotischer Konflikte,
  • affektive Störungen,
  • Angststörungen,
  • Somatisierung neurotischer Konflikte und psychosomatische Störungen,
  • Sucht- und Essstörungen,
  • Traumatisierung und posttraumatische Belastungsstörungen,
  • dissoziative Störungen,
  • Persönlichkeitsstörungen,
  • Borderline-Störungen,
  • psychotische Episoden,
  • spirituelle Krisen.

Im letzten Jahr werden die Psychologinnen und Psychologen in Ausbildung in einem eigens dafür eingerichteten Workshop auf die für die staatliche Prüfung charakteristischen Fragestellungen vorbereitet.